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Lösung für Neuhaus-Schärding in Corona-Zeiten gefordert





Bürgermeister und Politiker fordern den kleinen Grenzverkehr.
 
Von Markus Lindmeier
 
 
Neuhaus/Inn-Schärding.
 
Seit Februar 2018 ist die Gemeinde Neuhaus a. Inn zusammen mit der Stadtgemeinde Schärding als grenzüberschreitendes Doppel-Mittelzentrum in der aktuellen Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) festgeschrieben. Das bedeutet, der Region werden Entwicklungs-Potenziale in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zugestanden, die sich durch eine grenzübergreifende Zusammenarbeit noch deutlich steigern lassen. Diese Chance, die Region zu einem noch attraktiveren Lebens- und Arbeitsraum über die Landesgrenze hinweg zu entwickeln, packen die beiden Kommunen gemeinsam an.
 
Bereits seit 2016 befasste sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus  beiden Ländern bzw. Kommunen mit der konkreten Ausarbeitung von Themen- und Handlungsfeldern für eine noch intensivere länderübergreifende Kooperation. Vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Tourismus, Kultur, Wohnen und Arbeiten aber auch in den Bereichen Öffentlicher Verkehr, Gesundheit und Schule sehen die Vertreter der Arbeitsgruppe Ansätze für eine Nutzen stiftende Zusammenarbeit.
 
Das Ziel ist es, den Aufbau und die Intensivierung langfristiger und struktureller grenzübergreifender Kooperationen zur stärkeren sozialen und ökonomischen Integration sowie zum Abbau von administrativen und logistischen Barrieren.
 
Konkret bedeute dies eine Intensivierung der bereit begonnenen Zusammenarbeit beider Kommunen, die langfristig in eine Gemeindepartnerschaft münden soll, eine
Entwicklung und Stärkung des gemeinsamen grenzübergreifenden Standorts und die Bekanntmachung des grenzübergreifenden Mittelzentrums Neuhaus-Schärding in der Öffentlichkeit.
Die Ergebnisse wurden und werden in der Anzahl an grenzübergreifenden Projekten und Vorhaben sichtbar sowie in einer regen grenzübergreifenden Nutzung von bestehenden und zu entwickelnden Angeboten (wie z.B. Veranstaltungen, Einkaufs- und Gastronomieangeboten, Kinderferienprogramme, Seniorenbetreuung, gemeinsame Wohn-, Ausbildungs- und Arbeitsbörse usw.). Die gesteigerten sozialen und wirtschaftlichen Möglichkeiten für Bevölkerung, Unternehmen, Einrichtungen und Vereine sollen publik und präsent werden.
Doch seit über vier Monaten ist der kleine Grenzverkehr zwischen den Nachbarorten Schärding und Neuhaus am Inn ausgesetzt. Für die Menschen beider Orte, die nach dem bayerischen Landesentwicklungsprogramm eben ein gemeinsames Mittelzentrum bilden, bringt dies im alltäglichen Leben massive Einschränkungen mit sich, bedauerten die Bürgermeister Stephan Dorn (Neuhaus am Inn) und Franz Angerer (Stadt Schärding).
Dass die Bewältigung der Coronapandemie Einschränkungen mit sich bringt, ist für die Politiker beidseits des Inns nachvollziehbar wie sich aus einem Gespräch auf der alten Innbrücke zwischen Bürgermeister Franz Angerer, Bürgermeister Stephan Dorn, der ÖVP-Landtagsabgeordneten Barbara Tausch und MdL Walter Taubeneder ergab. Die Gesundheit hat oberste Priorität, so die einhellige Meinung der Gesprächsteilnehmer. Bedingt durch die Grenzlage sind allerdings die Menschen in Neuhaus und Schärding besonders betroffen.
So sei die Nahversorgung der Menschen grenzübergreifend organisiert. Neuhaus habe z.B. keine Tankstelle. Im Gegensatz dazu haben viele Geschäfte in Neuhaus überwiegend Kunden aus Schärding. Neuhauser Kinder gehen in Schärding aufs Gymnasium – umgekehrt besuchen Schärdinger Schülerinnen und Schüler in Neuhaus die Realschule. Der Reifendienst in Neuhaus ist im Frühjahr wieder vor besonderer Herausforderung gestellt. Zahlreiche Schärdinger lagern ihre Sommerreifen in Neuhaus ein, dürfen aber aktuell nicht über die Grenze, wusste Stephan Dorn.
Die faktische Grenzschließung ist nach Meinung des Neuhauser Bürgermeisters so, als würde man den Neu-Ulmern das Fahren über die Landesgrenze nach Ulm untersagen. Neben der wirtschaftlichen Verflechtung sei man sich schon wegen der gemeinsamen Sprache, dem für Norddeutsche kauf unterscheidbaren Dialekt und der praktisch gleichen Mentalität besonders nahe.
Bürgermeister Franz Angerer erinnerte in diesem Gespräch, dass viele Neuhauser die Einkaufsmöglichkeiten beim Wochenmarkt oder beim Bauernmarkt nutzen. Der Umsatz in den Schärdinger Geschäften sei um rund 40 Prozent zurückgegangen, konnte er berichten. Die Pandemie ist überall, hüben wie drüber, so Angerer. Wir haben über viele Jahre hinweg mit Erfolg für dieses Mittelzentrum gekämpft, betonte der Schärdinger Bürgermeister. Jetzt, weil wir uns in vielen Dingen, wie z.B. der Nahversorgung der Bevölkerung sehr gut ergänzen, werden wir durch die Pandemie wieder getrennt. 
Die Landtagsabgeordnete Barbara Tausch merkte dazu an, dass man durch die Pandemie erst jetzt so richtig merke, wie sich die Infrastruktur in den letzten Jahren, nicht zuletzt auch durch die Schaffung des Mittelzentrums, entwickelt habe. Die Hygienevorschriften seien in Schärding nicht anders als im Landkreis Passau, sagte Tausch. So wurden im Bezirk Schärding die Schnelltests für die Schulkinder bereits im Februar dieses Jahres eingeführt.
Die Bürgermeister von Schärding und Neuhaus Franz Angerer und Stephan Dorn appellieren deshalb, gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Barbara Tausch (Freinberg/OÖ) und Walter Taubeneder (Neuhaus am Inn) an die Bundes- und Landesregierung, den kleinen Grenzverkehr im Rahmen der jeweils ohnehin gültigen Beschränkungen wieder möglich zu machen. Wünschenswert sei zudem ein gemeinsames Vorgehen bei der Überwindung der Pandemie. Der Grenzraum brauche in jedem Fall eine Perspektive, so die Gesprächsteilnehmer. Viele hätten bereits Angst, dass die Nahtstellenorte zwischen Bayern und Österreich bei der Lockerungsstrategie vergessen werden. Deshalb werde man nicht müde, auf das Problem aufmerksam zu machen und Lösungen einzufordern.
Dass die Bekämpfung der Pandemie und damit verbunden die Gesundheit der Bevölkerung oberste Priorität haben, unterstrich einmal mehr Landtagsabgeordneter Walter Taubeneder.
Konkret forderten die Bürgermeister Angerer und Dorn, sowie die Landtagsabgeordneten Tausch und Taubeneder, das Widereinsetzten des kleinen Grenzverkehrs im Rahmen der aktuellen Corona-Beschränkungen.
 
 

Das Eigenheim als Lebenstraum soll weiter möglich sein

Neuhaus a.Inn Der Lebenstraum vieler Menschen auf dem Land ist das eigene Einfamilienhaus. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion besuchten Landtagsabgeordneter Walter Taubeneder und Bürgermeister Stephan Dorn die Familie Brunnlehner, die gerade in der Gemeinde Neuhaus ein Einfamilienhaus baut. Seit die Brunnlehners Eltern sind, wurde der Wunsch nach mehr Wohnfläche und einem eigenen Garten immer größer. Vorrangig war, ein Grundstück zu finden. Bei der Finanzierung half der jungen Familie das Baukindergeld. Dabei hilft insbesondere auch der Freistaat Bayern.

So wie die Familie Brunnlehner denken viele Menschen auf dem Land. Allein in der Gemeinde Neuhaus a. Inn suchen derzeit fast 100 Bauwillige ein Grundstück. Bedingt durch die Hochwasserlage ist in Neuhaus das Erschließen neuer Baugebiete mit vielen Problemen behaftet. Bürgermeister Stephan Dorn hat sich zum Ziel gesetzt, für die verschiedenen Bau- und Wohnformen vom Geschosswohnungsbau bis zum Einfamilienhaus Möglichkeiten zu schaffen. Keinesfalls dürfte der Traum vom Einfamilienhaus an ideologischen Schranken scheitern.

In dieses Horn bläst Landtagsabgeordneter Walter Taubeneder, der selbst in Neuhaus a.Inn lebt. Derzeit sorgen die öffentlichen Aussagen einiger Politiker der Grünen für Aufsehen. Die ideologische Ablehnung von Einfamilienhäusern ist aber seit längerer Zeit zu beobachten. So steht im aktuellen Wahlprogramm der Grünen in Baden-Württemberg, man wolle die Vielfalt stärken und gleichzeitig zukunftsfeste, grüne Siedlungen erschaffen. Dies könne mit Einfamilienhaus-Siedlungen nicht gelingen. Man wolle deshalb mehrgeschossige Wohnungen voranbringen.

Walter Taubeneder betonte, dass die Menschen auf dem flachen Land mit vielen Einschränkungen im Vergleich zu Großstädtern zurechtkommen müssen. Ein Beispiel sei der in den Städten hoch subventionierte ÖPNV. Ein Vorteil des Landes sei die Wohnqualität. Die Möglichkeit zum eigenen Haus wollen sich viele Menschen nicht nehmen lassen. Deshalb setze er sich dafür ein, dass jungen Familien auch künftig alle Optionen einschließlich dem eigenen Haus offenbleiben.

Mit Stephan Dorn ist er sich einig, dass Politik den Menschen die Chance geben soll, ihren Lebenstraum zu erfüllen. Beide wollen an verschiedenen Stellen dafür kämpfen, dass dies so bleibt. Für Stephan Dorn gehört dazu, dass er Trotz Corona fast täglich mit Grundstückeigentümern spricht, um mit viel Geduld Bauland zu gewinnen. Walter Taubeneder will in München als Abgeordneter aus einem ländlichen Stimmkreis klare Kate gegen den Versuch zeigen, Bau- und Eigentumsrechte zu Lasten der Hausbauer einzuschränken.

Die Brunnlehners haben es derweil fast geschafft. Im August soll alles fertig sein. Sollte es Corona zulassen, wird der Einzug und die Zukunft der Brunnlehners im eigenen Haus kräftig gefeiert.

Foto: privat

Daniel, Lisa und Michaela Brunnlehner mit Bürgermeister Stephan Dorn (l.) und Landtagsabgeordneten Walter Taubeneder (r.) vor dem Rohbau ihres Traumhauses in Neuhaus a. Inn

Die Koloman-Kapelle – ein Kleinod das gerettet werden muss.

Zur Rettung der Kapelle soll ein Förderverein gegründet werden.

von Markus Lindmeier

Mittich.

Vor fast 300 Jahren wurde in Hartham eine Kapelle errichtet die dem heiligen Koloman geweiht ist. War sie früher eine Wallfahrtskapelle (die Kirchenchronik berichtet über die vielen Votivtafeln in der Kapelle) so fristet sie heute ein mehr oder weniger trauriges Dasein. Das Abhalten einer Messfeier oder einer Andacht sei wegen des geringen Abstands zur Bundesstraße 512, der nur wenige Meter beträgt,  und der damit verbundenen Lärmentwicklung nicht mehr möglich. Man dürfe diese Kapelle dem Verfall nicht Preis geben, so die einhellige Meinung der Bevölkerung. Welche Nutzungsmöglichkeiten man habe, hatten Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger, Bürgermeister Stephan Dorn, 2. Bürgermeister und Kirchenpfleger Dr. Wolfgang Angermaier, Altbürgermeister Josef Schifferer und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Thomas Elender bei einem Ortstermin besprochen. Dabei soll zunächst ein Förderverein gegründet werden, der sich eben der Rettung der Koloman-Kapelle, oder „Koimani-Kapelle“, wie sie genannt wird, annimmt.

Auf der Stirnseite der Kapelle ist eine Statue des hl. Koloman zu sehen und auch auf dem Altar im Innenraum des Gotteshauses ist der Kirchenpatron abgebildet. Aus dem Leben des heiligen Koloman ist aber nicht viel bekannt. Die Legende berichtet, dass er ein irischer Königssohn gewesen sein soll, der auf einer Pilgerreise ins Heilige Land bei Stockerau gefangen genommen und hingerichtet wurde. Die Legende erzählt, dass er gemeinsam mit zwei Straßenräubern an einem dürren Holunderbaum aufgehängt wurde. Sein Leichnam blieb am Baum unverwest hängen. Der Holunderbau aber grünte und blühte daraufhin von neuem. Ein Jahr nach seiner Hinrichtung des hl. Koloman ereigneten sich dort die ersten Wunder. Später wurden er nach Melk überführt und dort am 13. Oktober 1014  beigesetzt. Der Gedenktag des hl. Koloman, der seit 1244 begangen wird,  ist somit auf den 13. Oktober festgelegt worden. Von 1244 bis 1663 war Koloman österreichischer Landespatron. Bekannt ist auch Albrecht Dürers Holzstich „Die Schutzheiligen von Österreich“ mit den Heiligen Koloman und Leopold.  Koloman wurde aber nicht nur in Österreich, sondern auch in Bayern verehrt.

Zahlreiche Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Neuhaus am Inn sind Zeugen von gelebter Frömmigkeit, betonte Bürgermeister Stephan Dorn. So prägen Kirchen und Kapellen nicht nur in Neuhaus am Inn sondern in ganz Bayern das  Landschaftsbild. Sie ermuntern zum Innehalten oder zu einem Gebet. Die bekannteste Kapelle im Gebiet der Gemeinde Neuhaus am Inn ist die frühere Wallfahrtskirche, die Koloman-Kapelle in Hartham. Jeder, der von Neuhaus in Richtung Autobahn fährt, sieht das markante gelbe Kirchengebäude direkt neben der Bundesstraße 512. Die Kapelle wurde im Jahre 1740 von Peter und Maria Gerauer (Goder zu Hartham) an Stelle einer Holzkapelle (Kolomanistöckl) errichtet. Landtagsabgeordneter Benedikt Gerauer schenkte die Kirche der Pfarrei Mittich. In den folgenden Jahrhunderten hat die Familie Gerauer immer wieder Mittel für den Unterhalt gestiftet, berichtete der Bürgermeister. Lange war die Koloman-Kapelle eine beliebte Wallfahrtskirche. Bis ins 20.Jahrhundert wurden Votivtafeln angebracht. Bis zum II. Weltkrieg wurde noch wöchentlich eine Messe gefeiert. Seit dem Bau der Bundesstraße 512 fristet jedoch die Koloman-Kapelle ein trauriges Dasein, so der Bürgermeister. Sie steht einige Meter unter der Fahrbahn der Bundesstraße. Mit dem Bau der Autobahn wird sich der armselige Zustand weiter verschlimmern, vermutet Stephan Dorn. Eine Nutzung war bereits in den letzten Jahren nicht mehr möglich – die Kapelle verfiel zusehends, sagten auch Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger und Kirchenpfleger Dr. Wolfgang Angermair.

Deshalb stellte auch vor zwei Jahren die Kirchenverwaltung einen Antrag auf Abriss. Dieser Antrag hatte seine Wirkung nicht verfehlt, sondern die Menschen wachgerüttelt, so Dr. Angermair. Für Bürgermeister Stephan Dorn als auch für Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger war und ist ein Abriss ohnehin keine Option. Deshalb ging man gemeinsam auf die Suche, um Verbündete für den Erhalt der Kapelle zu finden.

Nach zahlreichen Vorgesprächen soll nun ein Förderverein gegründet werden. Damit dies gelingt, erklärte sich der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Thomas Elender aus Mittich bereit, die Sache in die Hand zu nehmen. Zunächst gelte es organisatorische Fragen zu klären. Eine Privatspende in Höhe von 500 Euro hat Bürgermeister Stephan Dorn dem künftigen Verein bereits zugesagt.

Nach Gründung dieses Vereins will Thomas Elender, wie er sagte, zunächst in Absprache mit der Kirche ein Nutzungskonzept erarbeiten. Die Idee, die Koloman-Kapelle als Autobahnkapelle zu nutzen, wurde von Autobahndirektion bereits abgelehnt. Fragen, wie die Machbarkeit einer Renovierung oder gar die Versetzung der Kapelle, gelte es noch zu klären. Pfarrer Dr. Würdinger als auch Kirchenpfleger Dr. Angermair könnten sich vorstellen, dass vor der Koloman-Kapelle ein entsprechender Platz und damit auch ein Abstand zur Bundesstraße 512 geschaffen werde. Das Anbringen eines Lärmschutzes wäre ein zusätzliches Erfordernis. Nur so könnte man sich das Abhalten eine Andacht künftig wieder vorstellen. Ein Teil des Konzepts, wie Pfarrgemeindratsvorsitzender Elender anfügte, müsse die Absicherung des Unterhalts sein. Die nötigen Mittel könnten auch aus dem Förderverein kommen, ergänzte er.

In jedem Fall ist ein Kraftakt notwendig, um die Kolomann-Kapelle zu erhalten. Thomas Elender ruft deshalb alle Mitticher sowie alle am Erhalt der Kapelle interessierten Personen zum Mitmachen auf.     

Text zu den Bildern:

Koloman-Kapelle:

Vor fast 300 Jahren wurde die Koloman-Kapelle in Hartham errichtet. Seit dem Bau der Bundesstraße 512, die nur wenige Meter an diesem Kirchengebäude vorbei führt, fristet die Kapelle ein trauriges Dasein. Das Abhalten von Andachten ist wegen der Lärmbelästigung nicht mehr möglich.

Ortstermin:

Wie die Koloman-Kapelle wieder genutzt werden könne, darüber sprachen bei einem Ortstermin (von links) Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger, Altbürgermneister Josef Schifferer, 2. Bürgermeister und Kirchenpfleger Dr. Wolfgang Angermair, Bürgermeister Stephan Dorn und Pfarrgemeindratsvorsitzender Thomas Elender. Die Kapelle dürfe dem Verfall nicht Preis gegeben werden, so die einhellige Meinung der Gesprächsteilnehmer.

Der hl. Koloman:

Der Heilige Koloman ist Patron der Reisenden. So zeigt ihn auch die Statue an der Mitticher Kolomankapelle als Pilger mit Stab und Hut. Drüber hinaus gilt Koloman als beliebter Pferde- und Viehpatron. Der Spruch „Heiliger Koloman, schick mir einen braven Mann“ zeugt davon, dass er auch als Heiratspatron genannt wird.

Fotos: Lindmeier

Fallen für Schausteller bald die Schranken?

Von Markus Lindmeier

Neuhaus am Inn.

Zum Grenzlandfest 2019 hatte die Gemeinde Neuhaus a.Inn keinen Schausteller, der einen kompletten Vergnügungspark (mit Autoscooter etc.) stellen konnte. Deshalb hatte der damalige Bürgermeister Josef Schifferer mit einem größeren oberösterreichischen Schaustellerbetrieb Kontakt aufgenommen. Der Schausteller hätte Zeit und Interesse gehabt. Leider scheiterte es am deutschen TÜV. Dieser erkannte die österreichische Betriebserlaubnis nicht an. Für den österreichischen Betrieb war es unrentabel, wegen eines Events den deutschen TÜV zu durchlaufen. Das Grenzlandfest 2019 fand ohne Autoscooter statt.

2020 gab es ja Corona bedingt kein Grenzlandfest. Für 2021 habe ich noch Hoffnung, dass es wieder ein Grenzlandfest gibt, so Bürgermeister Stephan Dorn. Da bereits mit bayerischen Schaustellern Verträge geschlossen wurden, stellt sich für 2021 die Frage nach österreichischen Schaustellern nicht. Ungeachtet dessen hatte Bürgermeister Dorn gegenüber Manfred Weber, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der Fraktion der Europäischen Volksparteil (EVP) auf das Problem aufmerksam gemacht. Neben dem generell guten Miteinander an der Nahtstelle und dem Interesse am Abbau von Schranken, wisse man auch nicht, ob man in den Folgejahren wieder auf die Österreicher angewiesen sei.

In seinem Antwortschreiben teilte Manfred Weber mit, dass der europäische Binnenmarkt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Europäischen Union gelte. Er definiere sich über die vier Grundfreiheiten – freier Waren-, Personen- und Kapitalverkehr sowie Dienstleistungsfreiheit – die ein freies Wirtschaften über Grenzen der einzelnen Mitgliedsstaaten hinaus gewährleisten sollen. Dennoch gebe es viele Bereiche, in denen diese Freiheiten noch eingeschränkt sind. Die technische Zulassung von einem österreichischen Fahrgeschäft auf einem bayerischen Volksfest sei ein solches Beispiel.

Manfred Weber teilte weiter mit, dass die Anerkennung der technischen Prüfung bei Schaustellerbetrieben, den so genannten fliegenden Bauten, zu berücksichtigen sei. Während zwischen den Ländern der Bundesrepublik die Ausführungsgenehmigungen für fliegende Bauten gegenseitig anerkannt werden, sei dies bei den Mitgliedstaaten der Europäischen Union nicht der Fall. Hier bestehen sowohl im Hinblick auf verbindliche technische Standards als auch im Hinblick auf die förmlichen „Zulassungen/Genehmigungen/Betriebserlaubnisse“ und etwaige wiederkehrende Prüfungen der Anlagen große Unterschiede. Solange das so ist, kann eine „Pauschalanerkennung“ solcher Betriebserlaubnisse aus Sicherheitsgründen nicht erfolgen“, schreibt Weber. 

Der Europaparlamentarier teilt aber weiter mit, dass er sich bezüglich dieses Anliegens (ob in Zukunft eine gegenseitige technische Anerkennung von Schaustellbetrieben innerhalb der EU-Mitgliedstaaten möglich sei) an den zuständigen EU-Kommissar Thierry Breton wendet.

Nun liegt dem Neuhauser Gemeindeoberhaupt ein Antwortschreiben von Thierry Breton, Mitglied der Europäischen Kommission vor. Dieser schreibt zunächst in seiner Mitteilung, dass uns die Krise rund um COVID-19 einmal mehr deutlich vor Augen geführt hat, wie hoch der Preis für unsere Industrie, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Lieferketten, unsere Verbraucher sowie unser Wirtschaft ist, wenn der Binnenmarkt nicht reibungslos funktioniert.

Weiter zitiert Breton die EU-Präsidentin von der Leyen, die in ihrer Rede zur Lage der Union am 16. September sagte: „Wir wurden daran erinnert, wie eng unsere Volkswirtschaften verbunden sind und wie wichtig ein uneingeschränkt funktionierender Binnenmarkt für unseren Wohlstand ist. Wir verlassen uns tagtäglich darauf, dass er unser Leben erleichtert – und er ist von entscheidender Bedeutung für die Bewältigung der Krise und die Wiedererlangung unserer Stärke“.

Weiter geht EU-Kommissar Breton auf die Probleme in Deutschland in Bezug auf die Dienstleistungsfreiheit ein, mit denen ausländische Betreiber auf Volksfesten konfrontiert werden. Breton bittet in diesem Zusammenhang von der Schaustellerseite her um eine Darlegung der konkreten Probleme, wo er sich um eine Lösung bemühen wird. Denn natürlich müssen wir bestehende Hürden im Binnenmarkt eliminieren. Darüber hinaus ist er auch davon überzeugt, dass diese Krise eine unvermeidliche Transformation in Gag gesetzt habe. Wir alle müssen uns also dem Erhalt und der Stärkung, aber eben auch der Modernisierung unseres Binnenmarkts verschreiben, um auch die bevorstehenden Herausforderungen der Klimaneutralität, der Digitalisierung und dem Wiederaufbau einer widerstandsfähigen Wirtschaft gemeinsam zu meistern.

Ich freue mich, auch in Zukunft weiterhin mit Ihnen gemeinsam an diesem Herauforderung zu arbeiten, schreibt Thierry Breton zum Schluss seiner Ausführungen.

Somit wird unser, eigentlich eher kleines Anliegen, nunmehr auf höchster europäischer Ebene behandelt, sagte Bürgermeister Stephan Dorn dazu, der sich über dieses Schreiben natürlich besonders freute.