Laudatio Kunstausstellung 7. Februar 2020

Manche verbinden Kunst mit den Metropolen. In der Tat gab es in Bayern Einschnitte zu Lasten der Regionen So wurde im Zuge der Säkularisation vieles, sofern es nicht vernichtet wurde, nach München gebracht. Und in der Tat entwickelte sich in den Jahren des Königreiches Bayern Kunst insbesondere in der Hauptstadt, wenngleich auch damals durch Kulturschaffende, die auch aus der bayerischen Provinz kamen.

München hat immer noch eine besondere Strahlkraft. Die staatlichen Sammlungen ziehen Besucher aus aller Welt an und zahlreiche Initiativen, Preise und Events bieten Interessierten Kunst in fast jeder denkbaren Form.

Dass sich Kultur in Bayern jedoch nicht auf die großen Städte beschränkt und wir heute eine sehr lebendige Kulturszene in der Region haben, beweist auch diese Vernissage.

Alle Künstler, die heute mit ihren Werken vertreten sind, kommen aus unserer Gemeinde oder haben bzw. hatten hier gewirkt. Jede und jeder von ihnen trägt mit seiner Kulturarbeit zur Vielfältigkeit der Kunst bei uns bei.

Egal in welcher Form: Sie eröffnen eine neue Sichtweise auf das Leben und fordern dazu heraus, sich auf ungewohnte Perspektiven einzulassen. Künstlerinnen und Künstler sind unheimlich wertvoll für unsere Gesellschaft, gerade bei uns vor Ort.

Kunst leistet damit einen Beitrag zur Lebensqualität. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Kunst gehört dazu, wie viele andere nicht materielle Werte.

Fünf Wochen vor der Kommunalwahl ist die heutige Vernissage nicht nur dazu geeignet, Kunst zu genießen und gleichzeitig neben den Künstlerinnen und Künstlern unsere Kandidaten für Bürgermeisteramt und Gemeinderat kennenzulernen. Sie macht darüber hinaus deutlich, worum es in den nächsten Jahren geht.

Die Basis der Arbeit des künftigen Gemeinderates ist das „Brot“, die Pflichtaufgaben von der Kinderbetreuung bis zum Feuerwehrwesen.

Darüber hinaus wollen wir unsere Gemeinde als Raum mit hoher Lebensqualität fortentwickeln. So gilt es zum Beispiel, die wenige Meter entfernte Innlände im Rahmen der Städtebauförderung zu einem Ort mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Ich freue mich, dass ein von Dr. Josef Sommer initiierter Kulturgarten an der Alten Innbrücke bereits heute ein Stück dieser Aufenthaltsqualität bietet. Der Kulturgarten zeigt auch auf, in welche Richtung es gehen kann.

Natürlich können wir mit Blick auf die parkenden Schärdingbesucher über Parkgebühren an der Innlände diskutieren. Wir werden das auch sicher tun. Im Vordergrund steht aber für mich etwas anderes. Hier und an vielen anderen Orten in unseren Dörfern die Lebens- und Aufenthaltsqualität zu steigern. Und dazu gehört eben unverzichtbar die Kunst.

Ich trete am 15. März 2020 an, um am 1. Mai 2020 Bürgermeister zu werden. Eine meiner ersten Initiativen wird sein, gemeinsam mit dem Gemeinderat die nächsten Schritte zur konkreten Neugestaltung der Innlände zu fixieren.

Wir werden wie bei all unseren Veranstaltungen im Vorfeld der Wahl Gelegenheit haben, nach dem offiziellen Teil in kleinen Gruppen an den Tischen oder im Foyer über weitere Programmpunkte zu diskutieren. Nutzen Sie die Gelegenheit, im individuellen Gespräch mehr über mich, über uns und unsere Ideen zu erfahren.

Jetzt stehen allerdings zunächst die Künstler im Mittelpunkt.

Fritz Klier

Fritz Klier ist einer der bekanntesten, wenn nicht der bekannteste Zeichner im süddeutschen Raum. Seit 50 Jahren werden seine Werke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

Öffentliche Ankäufe erfolgten zum Beispiel auch von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München.

Der Kulturpreisträger des Landkreises Passau hat beim Zeichnen einen Stil mit hohem Wiedererkennungswert. Mit seinen Bildern legt er oft auf humorvolle Art die Eigenheiten einschließlich der kleinen Sünden von Mitmenschen offen, ohne sie zu beleidigen. Bei manchem Bild fühlt man sich selbst ertappt.

Die kleinen Sünden beziehen auch den erotischen Aspekt mit ein, der bei den Bildern von Fritz Klier in verschiedenen Facetten einfach dazu gehört – wie eben auch im richtigen Leben. Dabei sind die Darstellungen nicht immer schmeichelhaft. In Zeiten von Instagram-Filtern und Photoshop ist diese Ehrlichkeit schon fast ungewöhnlich.

Die Kunst von Fritz Klier ist es, mit wenigen gekonnten Strichen, Charaktereigenschaften zu skizzieren und den Betrachter zum Nachdenken bzw. zum Schmunzeln anzuregen. Teilweise geht es mir bei den Bildern von Fritz Klier wie bei den Texten von Ludwig Thoma. Auch Ludwig Thoma hat wenig erfunden, sondern nur das Wesentliche bei seinen Mitmenschen beschrieben.

Fritz Klier lebt seit 2006 in Vornbach. Vornbach war auch der Ort viel beachteter Ausstellungen, wie „Pilatus“ und „Maria Magdalena“.

Auch zahlreiche internationale Ausstellungen stehen in der Biographie von Fritz Klier. Ich bin stolz, dass ich eine dieser Ausstellungen im Trentino gemeinsam mit Fritz Klier und Dr. Josef Sommer initiieren durfte.

Jacob Schindelmeißer

Fritz Klier hat uns als besondere Überraschung Jacob Schindelmeißer mitgebracht. Das künstlerische Talent des Schülers des Gymnasiums Schärding wird von ihm seit fünf Jahren gefördert. Jacob Schindelmeister uns sein weiterer künstlerischer Weg liegen Fritz Klier besonders am Herzen.

Arnulf Rainer

Arnulf Rainer ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Maler. Mit seiner Kunst sprengte er zunächst den vorgegebenen Rahmen. Mit knapp 15 Jahren – zu Zeiten des Nationalsozialismus –  verließ er eine Eliteschule, weil er von einem Kunstlehrer gezwungen wurde, nach der Natur zu zeichnen. Ähnliche Konflikte führten auch dazu, dass er nur kurz in der Wiener Akademie für angewandte Kunst und Wiener Akademie für bildende Kunst verblieb.

Noch 1961 verurteilte ein Gericht Arnulf Rainer wegen des öffentlichen Übermalens eines prämierten Bildes. Auch später ließ er sich nicht in ein Korsett pressen. Ungeachtet dessen bzw. gerade deshalb ist die Liste der öffentlichen Ehrungen lang. 1978 wurde er mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet und in den Österreichischen Kunstsenat entsandt. 2005 wurde ihm die große Ehre zuteil, als erster nichtspanischer Maler mit dem Goya-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden. 2015 erhielt der „Großmeister der Publikumsbeschimpfung“, so Albertina-­Direktor Klaus Albrecht Schröder über Arnulf Rainer in seiner Laudatio, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Als Übermaler hat er sich längst einen Platz in der Kunstgeschichte gesichert.

Ilse Hahn

Ilse Hahn war die Stiefmutter des 2011 verstorbenen Schlosseigentümers von Vornbach Gustav-Adolf Hahn. Das Schloss Vornbach entwickelte sich in der Zeit von Gustav-Adolf Hahn zu einem Hort künstlerisch schaffender Menschen. Viele auf hohem Niveau künstlerisch tätige Menschen fanden in Vornbach einen Platz, in dem sie sich in einer aufgeschlossenen und fast familiären Umgebung entfalten konnten.

Ilse Hahn selbst malte Aquarelle und Ölgemälde. Dabei stammten viele Motive aus unserer Heimat, nämlich vom Schloss Vornbach und der näheren Umgebung. Mit Portaits hielt sie auch die Menschen ihrer Zeit für die Nachwelt fest.

Dr. Josef Sommer

Vor 17 Jahren durfte ich erstmals auf einer Vernissage von Josef Sommer Laudator sein.

Die Schwerpunkte des Autodidakten Josef Sommer waren und sind Gedichte und Aphorismen, Holzinstallationen und Photographie.

Für mich beeindruckend war bereits bei der ersten Ausstellung 1983 auf dem Anwesen der Familie Sommer besonders die Hintergründigkeit der Texte, die Josef Sommer mit seinen Werkstücken kombiniert. Ich kann nicht anders, als stehen zu bleiben und über die Texte nachzudenken.

Josef Sommer veröffentlicht seine Gedichte und Aphorismen in verschiedenen Büchern und verbindet sie mit Holzinstallationen oder Bildern.

Aus dem Buch „Garten der Gedichte“ hält er gerne Dichterlesungen mit Harfenbegleitung.

Im öffentlichen Raum sind seine Werke im Kulturgarten in Neuhaus und auf dem „Weg der Poesie“ in Bad Füssing im Kurpark zu sehen.

Darüber hinaus bietet Dr. Josef Sommer auf seinem Bauernhof in Döfreuth Künstlern aus der Region die Möglichkeit, sich zu entfalten und von Zeit zu Zeit, ihre Werke auch der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Als Vorsitzender des Kulturfördervereins engagiert sich Dr. Josef Sommer auch dafür, dass Kunst für eine breite Öffentlichkeit erlebbar ist.

Hermann Forster

Hermann Forstner wurde 1962 in Neuhaus/Inn geboren, wo er auch heute immer noch, zusammen mit seiner Frau, lebt.

Als Autodiktat beschäftigte er sich seit Mitte der 90er Jahren hauptsächlich mit dem Zeichnen und der Malerei.

Seine ersten Arbeiten, welche er eher spontan hervorbrachte, beschäftigten sich hauptsächlich mit Abbildungen von Lilien und Orchideen.

Im Laufe der Jahre entwickelte er seinen charakteristischen Stil, der bis heute im stetigen Prozess ist. 

Seine Werke sind die Wiedergabe aus einer Mischung zwischen Erleben und Betrachten der Natur, in der er vorzugsweise die Hauptzeit seines Lebens verbringt. Dies spiegelt sich auch in seinen Malereien wieder, denn sie sind voll mit Inspiration, Spontanität, hauptsächlich aber Lebensfreude.

Nach einigen Jahren der Aquarellmalerei, widmete er sich schließlich auch anderen Techniken wie Acryl, Tusche und Kreide.

In den letzten 15 Jahren wendete er sich schließlich seiner liebsten Praktik zu. Dem der Kaltnadel und Ätzradierung. Im Laufe der Jahre verfeinerte er seine Arbeit im Tiefdruckverfahren und schuf Werke angefangen von einfachen Landschaften, Abzüge von Menschen und Tieren, bis hin zu Darstellungen von einiger berühmten Comic Figuren.

Hermann Forstner versteht es durch Verschmelzung der Motive und die Harmonie der Farben ausdrucksvolle Bilder entstehen zu lassen..

Christine Jovanovic

Christine Jovanovic ist in Neuhaus am Inn geboren, hat in Schärding die Schule besucht und an der Uni Passau studiert.

 Von jüngster Jugend an war die Kunst der Bereich der Kultur, in dem sie sich sehr wohl fühlte. Sie ist seit sehr vielen Jahren als freie Künstlerin tätig und ist Mitglied beim Berufsverband Bildender Künstler, Niederbayern und der Innviertler Künstlergilde.

Von der klassischen Zeichnung über Aquarell bis zur Acrylmalerei hat sich ihr künstlerisches Schaffen entwickelt.

Bei den Papierarbeiten benutzt Christine Jovanovic überwiegend bunte Tusche, da diese Farbe einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Aquarellmalerei hat. Die Farbe ist erheblich widerstandsfähiger und kann auch in hellem Tageslicht präsentiert werden, da diese in sehr hohem Grad UV-beständig ist.

In den letzten Jahren hat sich Christine Jovanovic auch von der Fotografie begeistern lassen. Es gibt fast kein Sujet, welches nicht auf diesen Medienträger fixiert wird. Natur, Architektur, Produktfotografie . . . die digitalen Möglichkeiten daraus anschließend neue künstlerische Verbindungen, Veränderungen, Verdrehungen entstehen zu lassen, sind nahezu unendlich.

Die heute hier gezeigten Arbeiten sind Nachtaufnahmen (keine Nacktaufnahmen !) von Gebäuden aus der näheren Umgebung. Diese sind durch die digitale und künstlerische Überarbeitung bis zur Verfremdung und teilweise zur Unkenntlichkeit bearbeitet, so dass ein vollkommen neuer Aspekt des ursprünglich Dargestellten herausgearbeitet wird.

Christine Jovanovic ist seit je her eine farbbegeisterte Künstlerin. Es kommt also nicht von ungefähr, dass ihre Fotokunst mitunter wahre Farbexplosionen entstehen lässt. Neben dieser Art die Bilder zu bearbeiten, gibt es als Kontrapunkt aber auch minimalistische schwarz-weiß Fotografien. Lassen Sie sich doch darauf ein und suchen Sie das Gespräch mit der Künstlerin.

Ihre Arbeiten wurden und werden national wie international ausgestellt, gekauft und befinden sich in Privat- sowie öffentlichen Sammlungen, z.B. auch in der Staatskanzlei in München.

Gisela Reinhardt

Die im Allgäu geborene Künstlerin begann 1985 bei Carlo Borst in Erding mit der Aquarellmalerei. 1994 begann sie mit großformatigen Malereien in Acryl. Seit 2017 entstehen Kunstwerk in Öl und Acryl. Ein bestimmendes Thema ist die Darstellung der Natur. Dabei kann sie bei ihren Kunstwerken auf Beigaben verzichten. Die Natur steht für sich allein.

Gisela Reinhard lebt heute in Vornbach. Das langjährige Mitglied des Sammerberger Künstlerkreises ist seit 2010 im Kunstverein „N10 neue Heimat Linz“. Seit 2001 stellt sie aus, so heute parallel in der Spielbank Bad Füssing.

Herwig Weißgerber

Mit „Einfach Holz“ überschreibt der frühere kaufmännischer Leiter der „Waldburg-Zeil Kliniken“ in der „Klinik Niederbayern“ selbst seine künstlerische Vita.

Holz ist auch der Werkstoff, der Herwig Weißgerber begleitet. Zu Beginn seines Schaffens beschäftigte er sich bereits damit. Zunächst entstanden abstrakte Holzreliefs, später Holzfiguren. Die Werke von Herwig Weißgerber haben dabei ihren eigenen Ausdruck und somit auch einen hohen Widererkennungswert. Mir geht es oft so, dass ich mir beim Anschauen der nicht selten auf mich trollig wirkenden Figuren eine Geschichte vorstelle. Die Kunst von Herwig Weißgerber ist für mich eine froh machende Kunst.

Vielleicht entsteht dadurch auch die Liebe zur Kunst von Herwig Weißgerber, der selbst gerne Rainer Maria Rilke zitiert: Kunstwerke sind von einer unendlichen Einsamkeit und mit nichts so wenig erreichbar als mit Kritik. Nur Liebe kann sie erfassen und halten und kann gerecht sein gegen sie.

Seit 2002 hat Herwig Weißgerber seine Werkstatt in der Gemeinde Neuhaus a.Inn. Seine Kunst stellt er immer wieder einer breiten Öffentlichkeit vor, so zum Beispiel gemeinsam mit anderen Künstlern der Gruppe MachART.

Karl Niedermeier

Karl Niedermeier ist erst seit kurzer Zeit in Neuhaus.

Geboren 1931 und aufgewachsen in München, verschlug es ihn zunächst beruflich als Bergwerksarbeiter ins Ruhrgebiet. Danach lebte und arbeitete er drei Jahre auf einer Farm in Australien. In den Jahren vor Olympia 72 kam er wieder nach München, und arbeitete beim Bau des Olympiageländes mit.

Mitte der 60-iger Jahre begann er mit naiver Malerei.1969 wurden dann Werke im Stadtmuseum bei den Sonntagsmalern ausgestellt.

Späterer wurde Karl Niedermaier Niederbayer. Hauptwohnsitz war Mainburg. Mit der Zeit hat sich auch sein Stil geändert. Einen kleinen Einblick in sein künstlerisches Leben, das auch von 89 Jahren allgemein bewegtem Leben geprägt ist, zeigt uns der Künstler heute im Beisein seiner Tochter, die seit einigen Jahren in Neuhaus lebt.

Allen Künstlern ein herzliches Dankeschön, dass sie sich vielfältig in unserer Gemeinde einbringen. Besonders danke ich Ihnen, dass Sie durch Ihr Mitmachen bei der heutigen Vernissage auch ein Zeichen gesetzt haben. Ich trete an, um gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern die Zukunft für unsere Gemeinde aktiv zu gestalten. Dabei hat die Kunst einen wichtigen und unverzichtbaren Platz. Ich will, dass Kunst und Kultur in all seinen Fassetten präsent bleibt und für alle noch präsenter wird. Dazu brauche ich Sie.

Zunächst Sie, liebe Wählerinnen und Wähler, die ich um ihr Vertrauen bitte. Und dann Sie, liebe Künstler. Ich freue mich auf viele gemeinsame Initiativen und Projekte. Miteinander können wir unsere Gemeinde zu dem Ort machen, über den die hier wohnenden Menschen sagen „Ich möchte nirgends anders wohnen, als hier in Neuhaus, Vornbach und Mittich“.

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