Koloman

Die Koloman-Kapelle – ein Kleinod das gerettet werden muss.

Zur Rettung der Kapelle soll ein Förderverein gegründet werden.

von Markus Lindmeier

Mittich.

Vor fast 300 Jahren wurde in Hartham eine Kapelle errichtet die dem heiligen Koloman geweiht ist. War sie früher eine Wallfahrtskapelle (die Kirchenchronik berichtet über die vielen Votivtafeln in der Kapelle) so fristet sie heute ein mehr oder weniger trauriges Dasein. Das Abhalten einer Messfeier oder einer Andacht sei wegen des geringen Abstands zur Bundesstraße 512, der nur wenige Meter beträgt,  und der damit verbundenen Lärmentwicklung nicht mehr möglich. Man dürfe diese Kapelle dem Verfall nicht Preis geben, so die einhellige Meinung der Bevölkerung. Welche Nutzungsmöglichkeiten man habe, hatten Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger, Bürgermeister Stephan Dorn, 2. Bürgermeister und Kirchenpfleger Dr. Wolfgang Angermaier, Altbürgermeister Josef Schifferer und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Thomas Elender bei einem Ortstermin besprochen. Dabei soll zunächst ein Förderverein gegründet werden, der sich eben der Rettung der Koloman-Kapelle, oder „Koimani-Kapelle“, wie sie genannt wird, annimmt.

Auf der Stirnseite der Kapelle ist eine Statue des hl. Koloman zu sehen und auch auf dem Altar im Innenraum des Gotteshauses ist der Kirchenpatron abgebildet. Aus dem Leben des heiligen Koloman ist aber nicht viel bekannt. Die Legende berichtet, dass er ein irischer Königssohn gewesen sein soll, der auf einer Pilgerreise ins Heilige Land bei Stockerau gefangen genommen und hingerichtet wurde. Die Legende erzählt, dass er gemeinsam mit zwei Straßenräubern an einem dürren Holunderbaum aufgehängt wurde. Sein Leichnam blieb am Baum unverwest hängen. Der Holunderbau aber grünte und blühte daraufhin von neuem. Ein Jahr nach seiner Hinrichtung des hl. Koloman ereigneten sich dort die ersten Wunder. Später wurden er nach Melk überführt und dort am 13. Oktober 1014  beigesetzt. Der Gedenktag des hl. Koloman, der seit 1244 begangen wird,  ist somit auf den 13. Oktober festgelegt worden. Von 1244 bis 1663 war Koloman österreichischer Landespatron. Bekannt ist auch Albrecht Dürers Holzstich „Die Schutzheiligen von Österreich“ mit den Heiligen Koloman und Leopold.  Koloman wurde aber nicht nur in Österreich, sondern auch in Bayern verehrt.

Zahlreiche Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Neuhaus am Inn sind Zeugen von gelebter Frömmigkeit, betonte Bürgermeister Stephan Dorn. So prägen Kirchen und Kapellen nicht nur in Neuhaus am Inn sondern in ganz Bayern das  Landschaftsbild. Sie ermuntern zum Innehalten oder zu einem Gebet. Die bekannteste Kapelle im Gebiet der Gemeinde Neuhaus am Inn ist die frühere Wallfahrtskirche, die Koloman-Kapelle in Hartham. Jeder, der von Neuhaus in Richtung Autobahn fährt, sieht das markante gelbe Kirchengebäude direkt neben der Bundesstraße 512. Die Kapelle wurde im Jahre 1740 von Peter und Maria Gerauer (Goder zu Hartham) an Stelle einer Holzkapelle (Kolomanistöckl) errichtet. Landtagsabgeordneter Benedikt Gerauer schenkte die Kirche der Pfarrei Mittich. In den folgenden Jahrhunderten hat die Familie Gerauer immer wieder Mittel für den Unterhalt gestiftet, berichtete der Bürgermeister. Lange war die Koloman-Kapelle eine beliebte Wallfahrtskirche. Bis ins 20.Jahrhundert wurden Votivtafeln angebracht. Bis zum II. Weltkrieg wurde noch wöchentlich eine Messe gefeiert. Seit dem Bau der Bundesstraße 512 fristet jedoch die Koloman-Kapelle ein trauriges Dasein, so der Bürgermeister. Sie steht einige Meter unter der Fahrbahn der Bundesstraße. Mit dem Bau der Autobahn wird sich der armselige Zustand weiter verschlimmern, vermutet Stephan Dorn. Eine Nutzung war bereits in den letzten Jahren nicht mehr möglich – die Kapelle verfiel zusehends, sagten auch Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger und Kirchenpfleger Dr. Wolfgang Angermair.

Deshalb stellte auch vor zwei Jahren die Kirchenverwaltung einen Antrag auf Abriss. Dieser Antrag hatte seine Wirkung nicht verfehlt, sondern die Menschen wachgerüttelt, so Dr. Angermair. Für Bürgermeister Stephan Dorn als auch für Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger war und ist ein Abriss ohnehin keine Option. Deshalb ging man gemeinsam auf die Suche, um Verbündete für den Erhalt der Kapelle zu finden.

Nach zahlreichen Vorgesprächen soll nun ein Förderverein gegründet werden. Damit dies gelingt, erklärte sich der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Thomas Elender aus Mittich bereit, die Sache in die Hand zu nehmen. Zunächst gelte es organisatorische Fragen zu klären. Eine Privatspende in Höhe von 500 Euro hat Bürgermeister Stephan Dorn dem künftigen Verein bereits zugesagt.

Nach Gründung dieses Vereins will Thomas Elender, wie er sagte, zunächst in Absprache mit der Kirche ein Nutzungskonzept erarbeiten. Die Idee, die Koloman-Kapelle als Autobahnkapelle zu nutzen, wurde von Autobahndirektion bereits abgelehnt. Fragen, wie die Machbarkeit einer Renovierung oder gar die Versetzung der Kapelle, gelte es noch zu klären. Pfarrer Dr. Würdinger als auch Kirchenpfleger Dr. Angermair könnten sich vorstellen, dass vor der Koloman-Kapelle ein entsprechender Platz und damit auch ein Abstand zur Bundesstraße 512 geschaffen werde. Das Anbringen eines Lärmschutzes wäre ein zusätzliches Erfordernis. Nur so könnte man sich das Abhalten eine Andacht künftig wieder vorstellen. Ein Teil des Konzepts, wie Pfarrgemeindratsvorsitzender Elender anfügte, müsse die Absicherung des Unterhalts sein. Die nötigen Mittel könnten auch aus dem Förderverein kommen, ergänzte er.

In jedem Fall ist ein Kraftakt notwendig, um die Kolomann-Kapelle zu erhalten. Thomas Elender ruft deshalb alle Mitticher sowie alle am Erhalt der Kapelle interessierten Personen zum Mitmachen auf.     

Text zu den Bildern:

Koloman-Kapelle:

Vor fast 300 Jahren wurde die Koloman-Kapelle in Hartham errichtet. Seit dem Bau der Bundesstraße 512, die nur wenige Meter an diesem Kirchengebäude vorbei führt, fristet die Kapelle ein trauriges Dasein. Das Abhalten von Andachten ist wegen der Lärmbelästigung nicht mehr möglich.

Ortstermin:

Wie die Koloman-Kapelle wieder genutzt werden könne, darüber sprachen bei einem Ortstermin (von links) Pfarrer Monsignore Dr. Hans Würdinger, Altbürgermneister Josef Schifferer, 2. Bürgermeister und Kirchenpfleger Dr. Wolfgang Angermair, Bürgermeister Stephan Dorn und Pfarrgemeindratsvorsitzender Thomas Elender. Die Kapelle dürfe dem Verfall nicht Preis gegeben werden, so die einhellige Meinung der Gesprächsteilnehmer.

Der hl. Koloman:

Der Heilige Koloman ist Patron der Reisenden. So zeigt ihn auch die Statue an der Mitticher Kolomankapelle als Pilger mit Stab und Hut. Drüber hinaus gilt Koloman als beliebter Pferde- und Viehpatron. Der Spruch „Heiliger Koloman, schick mir einen braven Mann“ zeugt davon, dass er auch als Heiratspatron genannt wird.

Fotos: Lindmeier

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